Der südliche Wirtschaftsraum in Indien

Der südliche Wirtschaftsraum in Indien wird von den Metropolen Hyderabad, Bengaluru (eh. Bangalore) und Chennai (eh. Madras) bestimmt. Bengaluru gilt wegen der stark vertretenen IT-Branche als das „Silicon Valley“ in Indien. Dieser Industriezweig ist die am schnellsten wachsende Branche in Indien. Ausländische Investoren haben Süd-Indien längst für sich entdeckt.
In Chennai ist in Indien neben dem Maschinenbau vor allem die indische Automobilindustrie angesiedelt. Aber auch internationale Automobilhersteller und Automobilzulieferer sind hier standortmäßig vertreten. Daneben existiert rund um die Erdölraffinerie Manali die größte petrochemische Industrie in Indien. Der internationale Seehafen macht den Standort zusätzlich attraktiv. Hyderabad hat sich als wichtiger Industrie- und Bürostandort in Indien einen Namen gemacht. Bekannte internationale Firmen wie Microsoft oder Toshiba haben hier große Niederlassungen.

Vorteile

  • ausgezeichnete Wirtschaftspolitik im Vergleich zu anderen Standorten
  • im Vergleich zu West-Indien geringes Kostenniveau
  • hochqualifizierte Fachkräfte besonders für die IT-Branche
  • gute Arbeits- und Bildungsmentalität in Bezug auf ganz Indien
  • enorme Wachstumsaussichten
  • hochentwickelte Industrie- und Technologieansiedlung in Indien


Nachteile
  • überlastete Infrastruktur durch die explodierende Wirtschaft im Vergleich zu West-Indien
  • das positive Wirtschaftswachstum konzentriert sich fast ausschließlich auf die drei genannten Zentren, so dass Süd- Indien von
  • großen sozialen Spannungen geprägt ist
  • die Lebensbedingungen sind im Vergleich zu West-Indien erschwert durch das heiße Klima und mangelnde Freizeitmöglichkeiten



Der Wirtschaftsraum Ost in Indien

Ost-Indien ist mit wenigen Ausnahmen eher landwirtschaftlich geprägt. Lediglich in Kolkata (eh. Kalkutta) finden sich einige wichtige Industriezentren. Begründet ist dies durch die Tatsache, dass Westbengalen bis in die 1960er Jahre der Schwerpunkt der industriellen Entwicklung in Indien war. Die kommunistische Regierung in Ost-Indien förderte vor allem die landwirtschaftliche Entwicklung des Landes. Internationalen Investoren stand sie eher kritisch gegenüber. Trotz beginnender Bemühungen und attraktiver Förderprogramme hinsichtlich der Ansiedlung bedeutender IT-Unternehmen seitens der Regierung findet sich in Ost-Indien ein defizitäres wirtschaftliches Umfeld. Die Bevölkerung gehört zu den ärmsten in Indien und das Image des Wirtschaftsraumes Ost-Indien bleibt im In- und Ausland weiterhin negativ.

Vorteile

  • hier sind die niedrigen Kosten im Vergleich zu den anderen Wirtschaftsräumen in Indien zu nennen
  • Kolkata hat aus seiner Historie heraus eine industrielle Basis, die allerdings sehr rückständig ist
  • attraktiver Seehafen
  • gute Bildungseinrichtungen
  • großer lokaler Absatzmarkt


Nachteile
  • internationale Anbindung schlechter im Vergleich zu den anderen Wirtschaftsstandorten in Indien
  • schlechte Infrastruktur im Vergleich zu den anderen Wirtschaftsstandorten
  • problematisches Wirtschaftsklima im Vergleich zu den anderen Wirtschaftsstandorten in Indien
  • in Kalkutta (Kolkata), bzw. Westbengalen funktionieren die Gerichtsbarkeiten nur extrem langsam (Bestechungsmentalität)
  • gering qualifiziertes Personal (hoher Prozentsatz von Analphabeten) im Vergleich zu den anderen Wirtschaftsstandorten in Indien
  • schlechte Arbeitsmentalität im Vergleich zu den anderen Wirtschaftsstandorten in Indien

Der westliche Wirtschaftsraum in Indien

Die Bundesstaaten Maharashtra (Bombay, Pune, Thane, Nashik, Nagpur und Aurangabad) und Gujarat (Ahmedabad, Vadodara, Surat) sind herausragende Industrie- und Dienstleistungsstandorte in Indien. Sie erarbeiten rund ein Drittel der Industrieproduktion in Indien.

In Maharashtra finden sich die größten Wirtschaftszentren in Indien. Außerdem verbucht es die höchsten ausländischen Investitionen in ganz Indien. Aber auch das kleine Goa, bekannt als beliebtes Touristenziel in Indien, erlebt seit 2002 einen wirtschaftlichen Aufschwung.

Ausländische Investoren profitieren in Goa vor allem von den geringen Standortkosten und der strategisch günstigen Lage zwischen den Metropolen Mumbai (eh. Bombay) und Bengaluru (eh. Bangalore).

Vorteile

  • gute verkehrstechnische in- und ausländische Anbindung
  • für Indien überdurchschnittlich gute Infrastruktur
  • höchster Anteil an ausländischen Investitionen in Bezug auf ganz Indien
  • hochqualifiziertes Fach- und Führungspersonal
  • westlich orientierte Arbeitsmentalität
  • hoch entwickelter Absatzmarkt international und in Indien


Nachteile
  • starker Konkurrenzdruck
  • hohe Standortkosten in Bezug auf ganz Indien
  • Wirtschaftspolitik und Wirtschaftsklima im Vergleich zum südlichen Wirtschaftsraum in Indien weniger investitionsorientiert
  • In den Küstenregionen besteht ein hohes monsunbedingtes
    Schadensrisiko



Die „National Capital Region“/NCR in Indien

Der nördliche Wirtschaftsraum in Indien konzentriert sich vor allem auf den Großraum Delhi. Ergänzt wird dieser durch die Bundesstaaten Haryana, Uttar Pradesh und Rajasthan. Genau hier liegen die größten Schwierigkeiten für ausländische Investoren, denn die vier Unionsstaaten haben keine einheitliche Industrie- und Wirtschaftspolitik. Konkurrenzsituationen sind die Folge. Investoren sehen sich mit schwierigen Standortentscheidungen konfrontiert.

Unterschiedliche Steuergesetze, Subventionsmöglichkeiten und Standortkosten aber auch die Versorgung mit Strom und Wasser hinsichtlich der einzelnen Standorte in Nord-Indien sollten gegeneinander abgewogen werden. Dies setzt eine umfassende politische und kulturelle Beschäftigung mit den Gegebenheiten voraus. Der bedeutendste Standort der NCR ist Delhi. Die Hauptstadt von Indien wird von internationalen Unternehmen gerne als Haupt- und Verwaltungssitz gewählt. Trotz der hier angedeuteten schwierigen Voraussetzungen ist die NCR inzwischen von der wirtschaftlichen Bedeutung her weitestgehend mit Mumbai vergleichbar und somit die zweitwichtigste Wirtschaftsregion in Indien. Die Darstellung der Vor- und Nachteile ist hier also immer exemplarisch zu sehen.

Vorteile

  • Delhi hat eine gute nationale und internationale Verkehrsanbindung im Vergleich zu den anderen Standorten in der NCR von Indien
  • Im Punjab findet sich eine gute erfolgsorientierte Arbeitsmentalität im Vergleich zu den anderen Standorten in der NCR von Indien
  • In Chandigarh, der doppelten Hauptstadt von Nord-Indien (Punjab und Haryana), sind die Standortkosten niedriger als in Delhi, auch die Wirtschaftspolitik ist investitionsfreundlicher


Nachteile
  • hohe Standortkosten in Delhi im Vergleich zu den anderen Standorten in der NCR (Nord-Indien)
  • schlechte Infrastruktur (vor allem hinsichtlich der Stromversorgung)
  • Korruption bei der Auftragsvergabe
  • unübersichtliche Wirtschaftspolitik in der NCR im Vergleich zu West-Indien und Süd-Indien
  • überlasteter Straßenverkehr und hohe Luftverschmutzung in Delhi